Etwas mehr als zwei Wochen ist es her, dass ich sehr spontan an der Lichtenberger Sommer 2026 „SEIN” … oder Nichtsein?! teilnehmen konnte.
Am Tag, an dem ich losfahren wollte, sagte Isy, dass es nicht ohne Taruka geht.
Taruka ist meine selbstgebaute schamanische Trommel. Sie ist vor drei Jahren, Anfang Juli, in Gießen, in der Nähe von Lichtenberg, entstanden. Sie war ein Geburtstagsgeschenk an mich selbst nach einer sehr intensiven und transformierenden Zeit.
An dem Morgen, an dem ich 2023 losfahren wollte, stand plötzlich ein Rehbock oder Hirsch vor mir. Das war eine sehr überwältigende Erfahrung.
Die Geburt von Taruka dauerte etwa drei Tage. (Tarukas Fell ist ein Hirschfell.) Anschließend war Taruka mit mir in Belgien, wo ich mit meiner ganzen Familie im Saal „Zentrum” meinen Geburtstag gefeiert habe. Es war das erste Mal seit Jahren, dass ich sie eingeladen habe und ein Dankbarkeits-Despacho gestaltet habe.
Zurück im Juli 2026: Taruka ist mit nach Lichtenberg gegangen. Am Abend erzählt mir eine Kollegin, dass sie geführte Meditationen macht und gerne einen zusätzlichen Gast bzw. ein zusätzliches Instrument dabei hätte. Ich informiere sie über Taruka. Sie fragte, ob wir aktiv mitmachen möchten.
Am Donnerstagmorgen begann dann unsere gemeinsame Reise.
In so einem LiSo ist auch Gesangs-/Klangunterricht in Kleingruppen, bei dem jeder alleine singt und die anderen lauschen. Hier war ich zusammen mit vier anderen Menschen. Wir hatten Unterrichtsblöcke, verteilt über drei Tage. Für mich waren die Prozesse sowohl bei mir als auch beim Zuhören tief, berührend, heilend, magisch, klar usw.
Es war, als würden mehrere Mythen oder Märchen gleichzeitig laufen.
Meine Erfahrung mit dem Unterricht ist, dass er nicht dauerhaft schön, leicht und toll ist. Dass ich manchmal „fest“ laufe, loslassen muss und dass sich alles neu sortiert.
Am vorletzten Tag wurde gefragt, ob wir eine Gruppenpräsentation über unsere (Helden-)Reise der letzten Tage machen wollen. Sobald ich diese Aufgabe hörte, kam mir der Vorschlag in den Sinn, zusammen in den Wald zu gehen und es dort vorzubereiten. Außerdem hatte ich den Vorschlag gemacht, eine Trommelreise ohne Reden oder Führung zu machen. Diese Vorschläge fand jeder super.
Dann folgte noch ein Gesangsunterricht und alles hat sich in meinem Singen neu sortiert; die Brillianz führte mich. Es war eine magische Erfahrung, im Dienste zu sein.
Dann kam das Mittagessen und ich merkte allmählich, wie die Stimmung kippte.
Es war alles nicht gewollt. Ich konnte es loslassen und mich anpassen, an das, was die Gruppe wollte. Sie hatten Fragen ausgedacht, und jeder bekam zwei Minuten Zeit, um sie zu beantworten.
Ich war in der Lage, die ausgedachten Fragen inspiriert zu beantworten – und das innerhalb der vorgegebenen Zeit.
Während die Runden weitergingen, kam immer mehr ans Licht, dass sich meine Kollegen durch mich verletzt fühlten: Ich war zu direkt und klar, ich sollte meine Sprache anpassen, damit ich mein Gegenüber nicht verletze, sie waren eifersüchtig, weil bei mir alles so einfach im Klang ging, weil ich im Meisterkurs von Lichtenberg bin usw. Mir knallten die Projektionen um die Ohren und ich war dafür verantwortlich, dass es ihnen „schlecht“ oder „nicht gut“ ging.
Ich musste ständig schlucken und atmen, um diese Angriffe loszulassen.
Irgendwann haben wir als Gruppe beschlossen, uns jetzt dem Musischen zuzuwenden.
Die Idee war, aus Bewegung zu starten und einander an den Händen zu berühren.
Ich konnte es nicht ertragen, mit diesen Menschen, die mir vorher so viel vorgeworfen hatten, in physische Berührung zu sein.
Das habe ich kommuniziert, dass das für mich unstimmig war. Vielleicht konnte ich einen Weg mit Taruka und der Gruppe finden. Ich habe Taruka kaum angefasst, woraufhin es direkte Reaktionen gab: Es war zu laut, zu dominant, zu führend.
Ich musste mich „unterordnen” oder mit Taruka und mir ausmachen.
Es schien, als wäre es egal, was ich tat, ich war der Feind, es war zu viel, es passte nicht.
Ich bin ausgestiegen und habe weder an der weiteren Vorbereitung noch an der Präsentation teilgenommen.
Während der Präsentation meiner Gruppe habe ich geweint, denn auf einmal wurde mir vieles deutlich und klar. Es war so mythisch. Erinnerungen kamen ins Licht.
Vor drei Jahren war Taruka sehr klar: Ich sollte lernen, mein Geweih, meine Stimme und mein Herz anzuerkennen, zu öffnen und miteinander in Einklang zu bringen. Darum wollte sie auch nur mit oder vor mir sein. Wir beide, keine anderen Menschen. (Versteh mein Staunen, dass sie mitwollte nach Lichtenberg und auch bei den Meditationen mitmachen wollte.)
Sie (oder ich) ist wie ein Hirsch oder ein Reh, das sich nicht gerne zeigt.
In den LiSo habe ich mich (mit Taruka) gezeigt, habe mich in ein neues/anderes Bewusstsein gezeigt.
Dieses Ereignis am Samstag war notwendig, um meine blinde Flecken zu erkennen:
mein greifende, organisierende und mentale Konzepten,
nicht im Moment sein,
andere retten wollen,
soziale Greifreflexe und Vorwürfe loszulassen usw.
Diese neuen Einsichten führen zu einem weiteren Bewusstsein, das sich integrieren darf.
Mein Greifreflex auf vielen Ebenen wird immer weicher und lässt weiter los.
Nach der Präsentation habe ich geduscht, Taruka geschnappt und bin in den Wald gegangen. Unterwegs habe ich mit Isy telefoniert. Plötzlich stand ein Reh neben dem Weg. Ich habe das Telefonat beendet, das Reh fotografiert, Taruka ausgepackt und angefangen zu trommeln. Minutenlang.
Sie hat zugehört, meine verwundete Seele gestreichelt und mir neue Botschaften gegeben.
Dann ist sie gemächlichen Schrittes zurück in den Wald gegangen.
Mein Wanderweg ging weiter – ich war total begeistert und voller Dankbarkeit und Staunen. Da saßen auf einmal ein Mann und eine Frau auf einer Bank, beide mit Ferngläsern. Ich hatte nicht vor, sie zu stören, aber der Weg führte mich direkt an dieser Bank vorbei. Meine Neugier war groß und ich fragte, was sie beobachten. Sie antworteten, dass sie einen Fuchs und daneben ein Reh am Rand des Maisfeldes beobachteten.
Weiter auf meinem Weg waren drei spielende, hüpfende Rehe. Sie liefen aus dem Wald auf die offene Wiese und umgekehrt. Als Letztes kamen noch zwei weitere Rehe vorbeigerannt, als ob sie an einem Marathon teilnahmen.
An diesem Abend haben sich sieben Rehe gezeigt. Sie haben mir gezeigt, wie ich mit mir und meinem Bewusstsein umgehen kann: vorsichtig, spielerisch, rennend, hüpfend, genießend, kostend, schützend, flexibel, frei … Ich entscheide, wann, wie, wo und mit wem ich es teile, zeige oder schütze.
Am Sonntagmorgen haben Taruka und ich zusammen mit einer Geige in einer Meditation den Lichtenberger Sommer beendet. Taruka hat sich in einem neuen Bewusstsein in einem geschützten Rahmen gezeigt.
AHO!