Die Lichtenberger Methode nach Gisela Rohmert

Die Lichtenberger Methode (auch: Lichtenberger® Methode) ist ein körper- und wahrnehmungsorientierter Ansatz zur Verbesserung von Bewegungsqualität, Stimme und Musizieren.
Sie wurde von der Sängerin und Pädagogin Gisela Rohmert und Prof. Walter Rohmert entwickelt und wird heute u. a. in Gesang, Instrumentalspiel, Sprechberufen, Pädagogik sowie in körperorientierten Lernkontexten angewendet.

Im Zentrum steht die Annahme, dass sich Ausdruck und Leistungsfähigkeit verändern, wenn Spannungsorganisation, Atmung, Resonanz und Wahrnehmung so zusammenwirken, dass der Körper mehr Selbstorganisation entwickeln kann. Statt über willentliche Kontrolle („machen“) zu arbeiten, nutzt die Methode feine Impulse, sensorische Differenzierung und das Zusammenspiel von Schwerkraft, Elastizität und Reflexen.

Grundprinzipien und Zielsetzung
1) Selbstorganisation statt Übersteuerung
Ein Leitgedanke ist, dass viele stimmliche und motorische Probleme weniger durch „zu wenig Einsatz“, sondern durch zu viel willentliche Steuerung entstehen. Die Lichtenberger Methode fördert Bedingungen, unter denen sich Koordination, Atem und Klang selbst organisieren können – ökonomischer, belastbarer und oft auch differenzierter.

2) Koordination statt „Haltung machen“
„Aufrichtung“ wird nicht als starre Haltung verstanden, sondern als Ergebnis einer günstigen Tonus- und Bewegungsorganisation. Ziel ist eine dynamische, anpassungsfähige Koordination, die Bewegungsübergänge erleichtert und unnötige Fixierungen reduziert.

3) Atmung, Unterdruck und Resonanz als funktionelles Zusammenspiel
Atmung wird in diesem Ansatz häufig als ein Prozess betrachtet, der sich bei guter Koordination weitgehend von selbst reguliert. Dabei spielt das Prinzip des Unterdrucks eine wichtige Rolle: Statt Luft „zu drücken“, wird die Atembewegung so organisiert, dass Einatmung, Ausatmung und stimmliche Aktivität in einem elastischen System zusammenarbeiten. Das kann zu weniger Druckgefühl, mehr Tragfähigkeit und einer klareren Resonanzwahrnehmung beitragen.

Resonanz wird dabei nicht nur akustisch, sondern auch körperlich verstanden: als spürbare Schwingung, Raumgefühl und differenzierte Wahrnehmung von Klang im Körper.

4) Mikrobewegungen und sensorische Differenzierung
Die Methode arbeitet häufig mit kleinen, präzisen Veränderungen (Mikrobewegungen), um Tonus, Gelenkorganisation und Atem-Stimm-Koordination zu beeinflussen. Entscheidend ist weniger die Größe der Bewegung als die Qualität der Wahrnehmung: Unterschiede werden spürbar gemacht, damit der Organismus neue, günstigere Muster wählen kann.

Fragenpädagogik – Lernen über Rückbezüglichkeit
Ein charakteristisches Element ist die Fragenpädagogik. Sie arbeitet weniger mit direkten Anweisungen („So musst du es machen“), sondern mit gezielten Fragen, die Wahrnehmung und Selbstregulation anregen. Dadurch entsteht Rückbezüglichkeit: Lernende beziehen sich fortlaufend auf das eigene Erleben zurück (Körperkontakt, Tonus, Atembewegung, Resonanz), prüfen Unterschiede und passen fein an.

Die Grundidee: Veränderung wird nachhaltiger, wenn sie aus eigener Wahrnehmung entsteht – nicht nur aus äußerer Korrektur.

Typische Merkmale:
Erkundung statt Bewertung: Wahrnehmen, vergleichen, differenzieren („Was verändert sich?“ statt „richtig/falsch“).
Prozess- und Funktionsorientierung: Nicht das kurzfristige Ergebnis steht im Vordergrund, sondern die funktionelle Organisation, die es ermöglicht.
Selbstwirksamkeit durch Rückbezüglichkeit: Das eigene System wird zum „Messinstrument“; Lernende entwickeln ein Repertoire, um sich im Üben und Auftreten selbst zu regulieren.
Feine Steuerung über Aufmerksamkeit: Aufmerksamkeit wird als Werkzeug genutzt, um Tonus, Unterdruck/Atmung und Resonanz in ein stimmiges Zusammenspiel zu bringen.

Die Lichtenberger Methode wird häufig eingesetzt bei:
Gesang und Stimme: freiere Tongebung, weniger Druck, tragfähiger Klang, Regeneration,…
Sprechen: ökonomischer Stimmeinsatz, Belastbarkeit, klare Artikulation ohne Pressen,…
Instrumentalspiel: effizientere Bewegungsorganisation, Prävention von Überlastung, feinere Koordination,..
Prävention/Körperlernen: Umgang mit Stress- und Spannungstendenzen, bessere Selbstregulation,.

Mehr Information: Lichtenberger Institut für angewandte Stimmphysiologie |